Kinesiologische Übungen

Die Geschichte der Kinesiologie ( Lehre von der Bewegung ) geht auf den Chiropraktiker Dr. George Goodheart zurück. Er entdeckte Anfang der 60er Jahre bedeutungsvolle Zusammenhänge zwischen der Funktionsweise einzelner Muskeln und bestimmter Organe. Aus diesen Erkenntnissen entwickelte er Testverfahren und Behandlungsmethoden.

Anfang der 70 er Jahre erstellten Dr. Paul Dennison, Pädagoge und Gehirnforscher und seiner Frau Gail, einer ehemaligen Tänzerin, ein Programm von 26 kinesiologischen Übungen. Hierbei handelt es sich um ein Selbsthilfeprogramm, das sich hervorragend mit anderen Therapien kombinieren lässt. Die Übungen verhelfen Lernenden dazu, verborgene Potentiale und Fähigkeiten durch bestimmte Bewegungen und Berührungen zu aktivieren und jederzeit verfügbar zu machen. Es wurde festgestellt, dass in Stresssituationen und in Angst Teile unseres Gehirns abschalten, und dadurch vorhandenes Wissen in entscheidenden Moment nicht verfügbar ist. Jeder hat sicherlich solche Black-Out-Situationen schon erlebt. Die einfachen und oft recht lustigen Übungen helfen, an der Angst zu arbeiten, Blockaden aufzulösen und die ganze Gedächtnisleistung einzusetzen.

Natürlich ist es wichtig vorher abzuklären, ob gesundheitliche Probleme - z. B. am Bewegungsapparat - gegen die Ausführungen dieser Übungen sprechen. Im Normalfall sind sie jedoch sehr leicht und bequem auszuführen, einige sogar während einer Prüfung oder Schulstunde.

Energieübungen
Energieübungen sollten immer zu Beginn einer Übungsfolge gemacht werden. Im Sport wird dieser Vorgang auch "Aufwärmen" genannt. Diese Maßnahmen machen uns zum Lernen bereit und aktivieren Nervenbahnen zwischen Körper und Gehirn. Wir werden hier an ganz selbstverständliche Voraussetzungen erinnert, die in Angst- und Stresssituationen oft vernachlässigt werden: das ausreichende Trinken von Wasser und das richtige, tiefe Atmen. Außerdem fließen bei den Energieübungen Elemente aus der traditionellen chinesischen Medizin ein: durch das Berühren und Massieren bestimmter Meridianpunkte gelingt es Blockaden zu lösen und die Energie frei fließen zu lassen.

Mittellinienbewegungen
Unser Gehirn besteht aus zwei Hälften, die mit dem Balken (Corpus callosum) miteinander verbunden sind. Gehirnforscher haben festgestellt, dass in Stresssituationen gerade an dieser Verbindungsstelle Blockaden auftreten und wir vermehrt mit nur einer Gehirnhälfte denken, je nach Charakter. Sehr phantasievolle Menschen benutzen mehr die kreative Seite, mit der wir Farben, Töne oder das ganze Bild wahrnehmen. Nüchtern denkende Menschen bevorzugen die rationale Gehirnhälfte, das Gedächtnis für Zahlen, Buchstaben und Einzelheiten. Viele Lese- und Lernschwierigkeiten haben in der Trennung der Gehirnhälften ihren Ursprung. Die Mittellinienbewegungen regen beide Körperhälften und damit auch beide Gehirnhälften an und fördern deren Zusammenarbeit. So steht unser gesamtes Gedächtnispotential zur Verfügung. Vor allem Kinder und Erwachsene, die als Kleinkind die "Krabbelphase" übersprungen haben, profitieren von diesen Übungen.

Längungsbewegungen
Stress im Körper zeigt sich unter anderem durch angespannte Muskulatur. Durch Angst wird ein Urinstinkt ausgelöst: die Muskeln und Sehnen auf unserer Körperrückseite verkürzen sich. Diese reflexhafte Reaktionen sicherte unseren frühen Vorfahren das Überleben: sie waren dadurch in der Lage, sich mit einem schnellen Spurt aus der Gefahrenzone zu entfernen.
Leider nutzen uns diese Reflexe in einer Prüfungssituation nichts, im Gegenteil: sie blockieren wichtige Nervenbahnen und verwirren uns. Die Längsbewegungen entspannen jene Muskeln und Sehnen, die auf Grund des Hirnstammreflexes hart und verkürzt werden, z. B. die Achillessehne. Es wurde in Versuchen nachgewiesen, dass dies bedeutungsvolle Rückwirkungen auf Gedächtnisleitung und Sprachentwicklung hat. Gerade hyperaktive Kinder, deren überschiessende Reaktionen oftmals durch Angst und Überforderung ausgelöste werden, sprechen auf derartige Dehnübungen gut an.

Praktische Anwendung
Die Ausführungen all dieser Übungen nimmt nur wenig Zeit in Anspruch und sie sind gut in das Alltagsleben einzubauen. Sehr gut ist es, einige wenige davon vor Schulbeginn oder vor den Hausaufgaben anzuwenden. Pausen in der Schule oder bei den häuslichen Arbeiten können mit diesen gezielten Bewegungen zum Energie Auftanken und zur Förderung der Lernbereitschaft genutzt werden. Schüler, die die positive Wirkung der Übungen erfahren haben, integrieren diese gern in den Alltag. Geschickten Pädagogen, Therapeuten und Eltern, die selbst Freude an der Bewegung haben, gelingt es, die Motivation dazu zu vermitteln. Sehr gut lassen sich spielerische Elemente einbauen, wie z. B. flotte Musik und Jongliertücher, um den Spaß an den Übungen zu steigern. Auch die Erwachsenen profitieren davon, mit den Kindern zu üben, denn die kinesiologischen Übungen verhelfen nicht nur zu mehr Konzentration, sondern bringen uns auch zu unserer Mitte und zur Harmonie zurück und stärkt so unser Immunsystem und unser Selbstbewusstsein.

Auch ältere Menschen, die etwas für ihre Gedächtnisleistung tun wollen, können die leichten kinesiologischen Übungen meist gut ausführen. Im Zweifellsfall ist ein ärztlicher Rat angezeigt, Bewegungsapparat und Nierenfunktion sind zu überprüfen. Die Übungen fördern auch die Kondition und Beweglichkeit, verbessern das Sehvermögen und das Gehör.

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